Okzitanien. Das geheimnisvolle Land der Katharer und Maria Magdalenas in den französischen Pyrenäen. Was für ein Licht, was für eine Liebe in der Landschaft, mehr kosmisch als irdisch, mit einer immensen spirituellen Kraft. Ein Bericht über eine spirituelle Reise, und auf welchen Bewusstseinsebenen Landschaften wirken.
Eine Seelenreise
Laura Isabella Deichl
Es ist Mai, die ganze Landschaft blüht in den wunderschönsten Farben. Schon bei meiner Anreise, auf der Fahrt durch die felsige Galamus Schlucht nach Camp Sur L’Agly, war ich sprachlos. Ich wusste nicht, dass es so eine Landschaft in Europa gab, oder überhaupt auf der Welt. Mir kam sofort der Begriff “kosmisch”. Schon die Straße durch die Schlucht mit Eremitage, Grotte und Felsenkirche ist spektakulär. Einspurig windet sie sich in engen Kurven und durch Felsen, der Steilhang bewachsen mit Buchs, Agaven und Rosmarin.
In einer Gruppe reisten wir zwei Wochen lang mit Pascal K’in Greub auf den Spuren der Katharer und Maria Magdalenas, die als deren erste Priesterin gilt. Die Katharer gingen die Einweihungswege, sie hüteten das Wissen. Sie lebten die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Sie wurden von der Inquisition am Scheiterhaufen verbrannt und gingen singend und in Liebe ihrem Tod entgegen. Die Katharer sind bis heute für ihre Lieder bekannt. Eines, das wir immer wieder sangen und das unfassbar kraftvoll ist, ist Lo Boiér. Die Melodie soll mehrere tausend Jahre alt und eine Entsprechung der Frequenz eines Sternbilds sein. Das Mantra AEIOU darin öffnet den Lichtkörper auf allen Ebenen.
Schon lange weiß ich um die Kraft, die Orte und Landschaften haben, wenn es darum geht, Seelen Prozesse anzustoßen. Orte heilen, initiieren, aktivieren. Aber in dieser unfassbaren Tiefe habe ich das nie zuvor erfahren. Nie habe ich eine transformativere Reise gemacht. Ich bin als jemand anders zurückgekommen – auch wenn ich dazu vorab noch einen ziemlichen Prozess durchlaufen musste. Zum Glück war ich wach genug um zu erkennen, dass hinter meiner Unbequemlichkeit Angst lag. Und so bin ich gefahren. In eine Landschaft, in der ich wohl schon einmal gelebt habe.
Die Orte der Katharer
Wir begannen unsere Reise in einer alten Templer-Unterkunft im abgelegenen Camp-sur-L’Agly am Fuß des berüchtigten Bugarach, an dem es immer wieder UFO-Sichtungen gibt. Nie hab ich einen Berg erlebt, der so kosmisch-kristallin und fein in seiner Qualität ist, pures Licht, fast fluktuierend, ätherisch-bunt, wie ein Hologramm. Im magischen Wald immer mal wieder Wiesen voller Schlüsselblumen mit weitem Blick über die Landschaft, wie kosmische Portale.
Rennes-le-Chateau (kelt. Reddis oder Rhedae) ist ein Bergdorf mit nur 60 Einwohnern, aber berüchtigt und umwoben von Geschichten um die Templer, verborgenen Schätzen und Verschwörungen. Der markante Turm Magdala und die Kirche Saint Marie-Madeleine sind Maria Magdalena gewidmet, die eine Zeit hier verbracht haben soll. Geomantisch ein Landschaftszentrum, war hier für mich am Ort vor allem die Drachenkraft sehr präsent (und wohl tatsächlich damals Zentrum für den Kult der Bruderschaft der Schlange).
Vor allem in Carcassonne fiel ein altes Leben in mich hinein. Ich hatte das Gefühl, ich wäre mein damaliges Ich, das neugierig durch die Zukunft lief. Ich kannte die Orte, hatte in kurzen Momenten Deja-vus.
Für mich einer der lichtvollsten und eindrücklichsten Orte war Peyrepertuse. In schwindelerregender Höhe thronen ihre Ruinen auf einem Felskamm, dem Kosmos gefühlt näher als der Erde. So licht und dünn ist der Ort, sogar schon die Luft, man kommt sich schon eher vor wie in Tibet. Der stürmische Wind an diesem Tag verstärkte diesen Eindruck noch. Der Ausblick ist atemberaubend und reicht bis zum Mittelmeer.
Zur Einweihungsschule der Katharer gehörten längere Aufenthalte in Höhlen. Es galt den göttlichen Lichtfunken im Menschen zu kultivieren, um ihn im Herzen reif zu machen für die Vermählung mit der heiligen Geistin. Darunter die wunderschöne Spoulga von Bouan. Eine Eremitage und vielleicht die letzte Grotte der Katharer. Als auch Bouan eingenommen wurde und einige Gefangene dort eingemauert wurden, soll der letzte Großmeister Pierre Authiérs den Inquisitoren von Innen zugerufen haben: „Ihr mauert nicht uns ein, sondern euch selbst. Gott ist Liebe!“
Die Grotte Lombrives gehört zu den größten Höhlensystemen Europas. Über 28 km reicht ihr System in den Berg hinein, ihr größter Raum so groß, dass die Kathedrale von Notre Dame dort Platz hätte (!). Wir bekamen spätabends eine private Führung mit Live-Begleitung einer Musikerin, die an verschiedenen Orten katharische Lieder sang – tief berührende drei Stunden in absolut heiliger Atmosphäre.
Die Grotte Bethlehem im Ariegetal in der Nähe von Ussat war einer der wichtigste Ort der Katharer. Während Montségur nach Außen strahlte, war die Grotte Bethlehem ein Ort der inneren Sonne, des finalen Initiationsprozesses der Priesterkandidaten, und ist bis heute ein absolut heiliger Ort. Auch sie liegt spektakulär in einer Felsnische mit einem mehrere Tonnen schweren Dolmen-Tisch und einem natürlichen Pentagramm in der Felswand.
Montségur ist die berüchtigte letzte Burg der Katharer, mit unglaublicher Sonnenqualität und Strahlkraft. Weithin sichtbar thronen ihre Ruinen auf 1.200 Metern Höhe. Der Anstieg ist steil, führt aber mit wunderschöner Aussicht durch einen lichten natürlichen Buchswald. Nach Monaten Belagerung ergaben sich die Katharer und kamen singend den Berg herab. Unten wartete die Inquisition und bot ihnen die Freiheit – gegen Bekehrung zur römischen Kirche. Doch sie lehnten ab. Wo heute eine Gedenk-Stele steht, sollen an diesem Tag 225 Katharer verbrannt worden sein. Sogar im Feuer sollen sie noch gesungen und anscheinend kein Leid empfunden haben.
Montreal-de-Sos, oft bezeichnet als die Gralsburg. Ein Sternenberg, im Schoß der Berge. Ganz oben ist da schon fast keine Materie mehr, so transparent ist sie. Ein unfassbares Licht und gleichzeitig eine unfassbare Liebe, die sich in die Weite verströmt. Das Männliche und Weibliche gleichermaßen präsent. Der Dolmen von Sem, ein 6 Meter langer und 19 t schwere Granitblock, liegt in direkter Sichtverbindung. Er kanalisiert in meiner Wahrnehmung über einen dritten Stein weiter hinten kosmische Energie und leitet sie direkt auf Montreal.



Wenn sich Zeitlinien berühren
An allen Orten verbanden wir uns mit den Katharern. Wir machten Zeremonien, sangen ihre Lieder. Wir verharrten in Stille. Meditation, Kontemplation. Wir lachten, wir atmeten. Wir gingen auf, in diesem unendlichen Meer des Lichts. Für mich war die ganze Reise tiefe Erinnerung. Da war eine andere Zeit, die immer wieder in mich hinein fiel. Oder vielmehr – ich hatte eher das Gefühl, ich wäre gleichzeitig im jetzigen und in einem früheren Leben. Es war so unfassbar viel Liebe in mir, dass ich mich fast darin aufgelöst hätte.
Darin habe ich eine noch tiefere Ebene der Begegnung von Mensch und Landschaft erfahren als alle, die ich bisher kannte. Das tiefe Erkennen – es waren damals auch schon wir. Wir sind die Summe so vieler Leben. All diese Erfahrungen, dieses Wissen, all diese Kraft, diese Liebe. Multidimensionales Sein, über Räume und Zeiten hinweg.
Wir können Orte für touristische Zwecke besuchen (physische Ebene) oder zur Regeneration nutzen (vitalenergetische Ebene). Orte können Seelenprozesse anstoßen und zu Katharsis und Heilung führen (seelische Ebene). Wenn Lichtstrukturen an Orten mit unseren eigenen “klicken”, kann Aktivierung geschehen. In uns werden Lichtcodes eingeschrieben, wir bekommen Seelenimpulse (Ich-Organisation). Noch eine Ebene höher erfahren wir schließlich, wie sich Zeitlinien berühren, wir treten vom Tonal ins Nagual. Wir tauchen in unser höheres Selbst, unser multidimensionales Sein ohne jede Beschränkung (Zeit-Raum-Impulse).
Quelle des Lichts für Europa
Auch über meine individuelle Erfahrung hinaus nehme ich die Landschaft Okzitaniens als eine geistige Quelle wahr, aus der sich die Frequenzen der Neuen Zeit nach Europa hinein ergießen. Das neue Bewusstsein, in dem wir uns Menschen wieder in unserem multidimensionalen Sein erkennen. All diese Ebenen wirken immerzu, die Frage ist nur, inwieweit wir ihre Wahrnehmung bewusst haben.
LAURA ISABELLA DEICHL
Geomantin und Mentorin
Systemische Aufstellungsarbeit,
Clearings, Heilpflanzen,
Räucherkunde
www.erdentanz.info
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Buchtipp:
Okzitanien
Spiritueller Reiseführer und historischer Wegbegleiter
Auf den Spuren der Druiden, Katharer, Tempelritter und Troubadoure
Michael Hock
Taschenbuch, € 29,80
Elementarlichtwesen Verlag, ISBN: 9783982339245
Bilder Laura Isabella Deichl




